Die einzige Chance zu überleben

 
Wenn man von fast niemandem gemocht und erst recht von fast niemandem geliebt wird, sondern von fast allen abgelehnt wird, dann bleibt einem in einer solchen lieblosen Situation, in dieser Situation eines fast tödlichen Mangels an Liebe, nur noch eine Wahl: Man muss sich selbst lieben.
Diese Selbstliebe ist kein Egoismus, sondern die einzige Strategie, um überleben zu können.
Wenn man sich in einem zwischenmenschlichen Klima sibirischer Seelenkälte nicht selbst warm hält, stirbt man. Man stirbt an einem tödlichen Mangel an Liebe. Deshalb ist Selbstliebe in meiner lieblosen Umgebung die einzige Chance, die ich habe, um zu überleben.
 
Genau so erklärte es mir auch meine Psychotherapeutin, bei der ich vor Jahren eine Psychotherapie absolvierte. Damals verstand ich es nur theoretisch, konnte es aber nicht praktisch umsetzen. Denn in einer lieblosen Umgebung sich selbst zu lieben, ist sehr schwer. Erst in einem langen Lernprozess lernte ich, die theoretische Erkenntnis praktisch umzusetzen, weil mir nichts anderes übrig blieb. Ich musste es lernen, um zu überleben.
 
Selbstliebe ist keine Ich-Liebe, denn das Selbst ist nicht das Ich. Selbstliebe ist die Tiefenerfahrung des Selbst. In der Selbstliebe ist die Nächstenliebe und die Gottesliebe enthalten. Selbstliebe ist Liebe, die alles umfasst und alles enthält, auch die Nächsten und das Göttliche. Sie ist die Tiefenerfahrung des allumfassenden, alldurchdringenden, all-einen Selbst.
Zum besseren Verständnis weise ich noch einmal auf das YouTube-Video hin, in dem der Benediktinermönch David Steindl-Rast den Unterschied zwischen dem Ich und dem Selbst erklärt. Hier ist der Internetlink zum Anklicken:
 
 
Um in einer lieblosen Umgebung überleben und sich durchsetzen zu können, ist aber nicht nur die Selbstliebe wichtig, sondern auch die Ich-Liebe. Man muss auch sein Ich lieben, um das Selbst durch sich bezeugen zu können. Auch Ich-Vertrauen, Ich-Bewusstsein, Ich-Wertgefühl, Ich-Liebe, also ein starkes Ich, ist notwendig, um über das Ich hinaus zu wachsen zur Durchlässigkeit für das Selbst und zum Zeuge-Sein des Selbst in der Welt. Man muss einen festen Stand in der Welt haben, um zum Zeugen des Überweltlichen in der Welt werden zu können.
Nicht nur Selbstliebe, sondern vor allem auch Ich-Liebe, also ein starkes Ich, ist das, was "psychisch Kranken" fehlt.
Ich wiederhole:
Was fehlt "psychisch Kranken"?
"Psychisch Kranken" fehlt die Ich-Liebe, also ein starkes Ich. Man kann es auch so ausdrücken: Was "psychisch Kranken" fehlt, ist ein gesunder Egoismus.
"Psychisch Kranke" müssen ihr Ich stärken, also einen gesunden Egoismus entwickeln, um psychisch zu gesunden.
Die Stärkung meines Ichs, meines Egos, habe ich mir auf dem Weg meines literarischen Schaffens selbst erarbeitet.
 
 
                                  Die Ausnahmeperson, die mich liebt und die ich liebe