Eine unglaubliche Leistung (Verfasser: Karl Hauser)

 
Es soll gleich am Anfang stehen:
Die unglaubliche Leistung Hans-Erich Kirschs besteht vor allem darin, dass er sich selbst von einer schweren psychischen Erkrankung geheilt hat. Seine psychische Erkrankung war so schwer, dass er deswegen mit 26 Jahren erwerbsunfähig, d.h. wegen voller Erwerbsminderung, berentet wurde. Er war aus psychiatrischer Sicht ein hoffnungsloser Fall.
Um die unglaubliche Leistung von Hans-Erich Kirsch noch deutlicher hervorzuheben, sei erwähnt, dass die psychiatrische Diagnose, die Herr Kirsch 1977 erstmalig gestellt bekam, eine schwere psychische Krankheit bezeichnet, die bei den Psychiatern als unheilbar gilt. Deshalb hat Hans-Erich mit seiner Selbstheilung nicht nur Unglaubliches geleistet, sondern sogar eine Leistung vollbracht, die von den Ärzten für unmöglich gehalten wird.
Noch klarer wird die Einzigartigkeit der Leistung Hans-Erich Kirschs, wenn man seinen Fall mit drei weiteren Fällen aus dem Bohnental vergleicht: dem Fall Andreas W., dem Fall Winfried K. und dem Fall Lutwin J. Andreas W., Winfried K. und Lutwin J. hatten die gleiche Diagnose wie Hans-Erich, aber ihr Leben verlief tragisch und endete als Tragödie. Sie kamen alle drei mit ungefähr 30 - 35 Jahren ins Heim und starben im Heim. Sie waren also mit 30 - 35 Jahren entmündigt und als Behinderte im Behindertenheim untergebracht.
Man hatte mehrmals vor, auch Hans-Erich das Schicksal der anderen drei Fälle zukommen zu lassen, doch Herr Kirsch hat dies mit seiner  Intelligenz verhindert, indem er es rechtlich unmöglich machte. Seine Intelligenz erkannte, wie man sich davor schützt, nämlich ganz einfach dadurch, dass man sich ruhig und normal verhält.
Seine unglaubliche Leistung ist sowohl eine große Fleißleistung als auch eine enorme Intelligenzleistung. Wer dies nun hier gelesen hat, befindet sich auf seiner Schriftsteller-Homepage und kann sich da vollumfänglich über sein Schaffen informieren. Wer das tut, bekommt den großen Fleiß und die hohe Intelligenz des Schriftstellers Hans-Erich Kirsch bewiesen. Hans-Erich Kirsch ist also bewiesenermaßen ein fleißiger, intelligenter Mann. Wäre er nicht fleißig und intelligent, hätte er seine unglaubliche Leistung nicht vollbringen können. Dann wäre er wahrscheinlich schon lange entmündigt im Heim untergebracht.
Was ich hier schreibe, gründet sich auf realistischen Fakten, doch so hat außer mir bisher noch niemand den Menschen und Schriftsteller Hans-Erich Kirsch betrachtet: mit großem Respekt vor seiner unglaublichen Leistung. Im Gegenteil, die Mehrheit der Leute sieht es ganz anders, die Mehrheit beurteilt und begegnet Hans-Erich äußerst respektlos. Noch vor kurzem schrie ihn ein Mann aus Dorf im Bohnental an: "Du fauler Mistbock, du faule Sau!" Und wie oft er schon als Doofer, Idiot, Depp, Behinderter, Dementer, Verrücker, Irrer usw. verunglimpft wurde, ist gar nicht mehr zu zählen. Mehrheitlich verachtet und entwürdigt man einen Menschen, der Respekt, Anerkennung und Ehrung verdient. Das ist ein weltweit einmaliger Fall, eine Schande für die ganze Gegend, aus der Herr Kirsch stammt und in der er lebt.
 
Hans-Erich Kirsch ist nicht nur ein fleißiger und intelligenter Schriftsteller, sondern auch ein guter Mensch. Sein gesamtes Werk ist ein Werk der Liebe. Seine Liebe ist keine oberflächliche Fassade, sie kommt aus der Tiefe. Die "Liebe" der Fassade ist nur vorgetäuscht und vorgespielt. Sie ist keine wirkliche Liebe. Wirkliche Liebe wächst nur im wahrheitsliebenden Menschen, der auch den Hass einbezieht, den Hass nicht unter den Teppich kehrt, als existiere er nicht, sondern ihn sieht und offen benennt und ausdrückt. Wer den Hass verschweigt, kann nicht zur Liebe gelangen. Friede-Freude-Eierkuchen hat mit Frieden, Freude und Liebe nichts zu tun. Das ist nur Täuschung, Illusion und Lüge. Wer Liebe will, muss auch Wahrheit wollen. Ohne Wahrheit kann es keine Liebe geben.
Hans-Erich Kirsch beschreibt sich und seine Situation in seiner menschlichen Umgebung wahrheitsgemäß, realistisch, so wie sie ist. Er wird in seiner menschlichen Umgebung ignoriert, ausgegrenzt, isoliert, diskriminiert, gemobbt, ausgeschlossen, verachtet. Er ist ungewollt. Er ist unbeliebt, wird lieblos und herzlos behandelt. Er wird gehasst. Seine Situation in seinem menschlichen Umfeld ist zum Ausrasten, zum Durchdrehen, zum Verrücktwerden. Damit markiere ich einen Punkt, an dem bei den Lesern erstmals das Verstehen einsetzen sollte. Für die Leser, die noch nicht verstehen, erkläre ich es: Hans-Erichs Leiden ist keine Krankheit, sondern ein Leiden an seiner Situation in seiner menschlichen Umgebung. Eine Krankheit kommt aus dem Inneren des Kranken. Hans-Erichs Beschwerden und Symptome kommen aber nicht aus seinem eigenen Inneren, sondern sind in seiner äußeren menschlichen Umgebung begründet. Das heißt, dass er leidet, aber nicht krank ist. Krank im Sinn von böse ist das Verhalten, das sein menschliches Umfeld ihm entgegenbringt. Darunter leidet er. Dieses Leiden ist keine Krankheit. Ich wiederhole, weil dieser Punkt wichtig ist.
 
Hans-Erich Kirschs Selbstheilung ist ein nach und nach fortschreitender Prozess des Verstehens von Gründen und Zusammenhängen. Dieser Prozess ist eine Erarbeitung, ein schweres Erarbeiten des Verstehens. Ohne großen Fleiß ist er nicht möglich. Das Verstehen setzt viel Arbeit voraus. In diesem Sinn hat Herr Kirsch auch seit seiner Berentung im Jahr 1983 über die Jahrzehnte, die seither vergingen, viel und schwer gearbeitet, natürlich ohne Bezahlung seiner Arbeit. Vor seiner Berentung arbeitete er ja regulär, zuerst als kaufmännischer Auszubildender, dann als kaufmännischer Angestellter.
 
Ich kenne Hans-Erich schon lange persönlich und führe regelmäßig lange Gespräche mit ihm. Auch habe ich alle seine Bücher mehrmals gelesen und verfolge alle seine Veröffentlichungen im Internet. Wäre es nicht so, würde ich mir nicht anmaßen über ihn zu schreiben. Was ich über ihn und sein Schaffen schreibe, Z.B. hier über seine unglaubliche Leistung, ist demnach nicht einfach so frei erfunden, sondert beruht auf Tatsachen. Selbstverständlich schreibe ich auch mit seiner Einwilligung. Was hier steht, schreibe ich in einer Word-Datei, die ich Hans-Erich, Abschnitt für Abschnitt, per E-Mail-Anhang zusende. Er liest es und veröffentlicht es anschließend auf seiner Schriftsteller-Homepage, also hier an dieser Stelle.
 
Mit seiner psychiatrischen Diagnose wäre Hans-Erich Kirsch 1933 - 1945 zum so genannten lebensunwerten Leben gezählt und ermordet worden. Was er in einem langen Prozess erkannt hat, gefühlt hat er es schon immer, ist, dass es im Grunde in der heutigen Zeit nicht anders ist, auch wenn die Ermordung nicht mehr praktiziert werden darf.  Man behandelt auch heute noch "psychisch Kranke", als wären sie lebensunwertes Leben. Wie die Leute in seiner menschlichen Umgebung auf ihn reagieren, ist nicht anders zu definieren. Sie reagieren auf ihn, als hätte er keine Lebensberechtigung und keine Menschenrechte und keine Menschenwürde. Ob dies den Menschen seiner Umgebung bewusst oder ob es ihnen nicht bewusst ist, kann nicht sicher festgestellt werden. Es ist aber tatsächlich so. Das ist die Realität, mit der er tagtäglich konfrontiert wird, eine grausame Realität. "So Einer wie du, so ein Bekloppter wie du, der nicht arbeiten kann und für den wir schaffen gehen müssen, hat kein Lebensrecht! Für jede Scheibe Brot, die du Depp frisst, müssen wir schaffen gehen! So Einer wie du hätte bei Hitler nicht überlebt! So Einer wie du müsste erschossen werden, aber für dich wäre die Kugel noch zu schade! Du Idiot, du Doofer bist so unnötig wie ein Kropf!" - so und noch brutaler wurde es ihm in den Kneipen an den Kopf geschmettert. Diese boshaften, niederträchtigen, gemeinen Beschimpfungen, die tatsächlich stattfanden, beweisen, es ist nicht übertrieben zu schreiben, dass erwerbsunfähige psychisch Kranke auch heute noch als lebensunwertes Leben verachtet werden.
Diese ihn umgebende grausame Realität führte dazu, dass er lange Zeit selbst sein Lebensrecht, seine Existenzberechtigung bezweifelte. Er fragte sich selbst, ob er überhaupt ein Recht auf Leben hätte. Das heißt, dass es um Leben oder Tod ging, um Sein oder Nicht-Sein. Bis zum Jahr 2000 litt er so schwer, dass er immer wieder plante, Selbstmord zu begehen. Zum Glück blieb es aber beim Planen, so dass er nie einen Selbstmordversuch unternahm. Und doch war es die Hölle, durch die er ging. Er litt mehr als 20 Jahre sehr schwer. Nur schon allein diese inneren seelischen Qualen über so lange Zeit auszuhalten und zu ertragen, war eine schwere Arbeit und eine große Leistung. Menschen, die nicht die leiseste Ahnung von solchen inneren Qualen haben, fassen meinen letzten Satz als Witz auf und lachen darüber. Es ist aber kein Witz, sondern trauriger Ernst.
Bis dahin war sein Zustand ein stilles, stummes, depressives, lethargisches Ertragen, Aushalten, Erdulden, Erleiden, Durchleiden seines Schicksals, denn er glaubte an die psychiatrische Diagnose einer unheilbaren endogenen, d.h. von innen kommenden Krankheit. Er glaubte den Psychiatern, dass seine Krankheit unheilbar und somit sein lebenslängliches schweres Schicksal wäre, das nicht zu ändern wäre und dass er somit nichts tun könnte, um seinen Zustand zu bessern.  Ganz schlimm war auch die anhaltende Antriebsschwäche oder eher sogar Antriebslosigkeit. An nichts mehr Interesse und zu nichts mehr Lust zu haben, das ist für den Betroffenen ein unerträglicher Zustand, unso mehr, da die Menscher der Umgebung ihn als Faulheit missverstehen und dementsprechend böse reagieren.
Er mied den Kontakt mit Menschen. Er fürchtete menschlichen Kontakt, weil er anders als die Anderen war und spürte, dass diese ihn für einen "nicht-normalen Behinderten" hielten und ihn dementsprechend behandelten. Er fühlte sich wie der letzte Dreck und wollte als letzter Dreck seine Mitmenschen nicht belästigen, die auch damals schon nichts mit ihm zu tun haben wollten. Es waren wirklich seelische Höllenqualen, die er durchlitt.
 
Im Jahr 2000 setzte die Besserung ein, da er begann, an der Diagnose der Psychiater zu zweifeln. Er fing an anders zu denken und anders zu fühlen. Die Besserung fühlte sich an, als hätte er frische Energie bekommen und als wäre sein seelisches Tief in ein seelisches Hoch umgeschlagen. Eine Zentnerlast war ihm vom Herzen gefallen. Sein passives Erleiden wechselte in ein aktives Tun. Er war vorher völlig verschlossen, als wäre er eingemauert. Jetzt öffnete er sich und kam aus seinem Schneckenhaus, in das er sich verkrochen hatte, hinaus. Es war, als wäre seine seelische Zwangsjacke plötzlich zerrissen worden oder als wäre er aus dem Gefängnis in die Freiheit entlassen worden.
Auch in seinem Denken vollzog sich ein Wandel. Vorher dachte er, dass er nichts tun und nichts ändern könnte. Er müsste seine unheilbare Krankheit aushalten und er wäre seiner Krankheit ohnmächtig ausgeliefert. Daran etwas zu ändern, wäre unmöglich. Jetzt aber glaubte er nicht mehr an seine Ohnmacht. Er erkannte, dass er etwas tun und etwas ändern konnte. Außerdem ließ er sich nun nicht mehr alles gefallen, er begann sich zu wehren. Auch mied er menschlichen Kontakt nicht mehr, ganz im Gegenteil, er wünschte und suchte ihn. Hans-Erich Kirsch hatte sich sozusagen um 180 Grad zu seinem Vorteil gedreht.
 
Ab 2000 hatte er wieder Lebenskraft, Lebenslust, Lebensmut, Lebenswillen, Lebensfreude und Lebenssinn. So konnte er den Auto-Führerschein neu machen. Sein alter Führerschein war im Januar 1995 wegen einer ausnahmsweise vorgekommenen Fahrt unter Alkoholeinfluss bei einer Polizeikontrolle einbehalten worden. Zuerst kümmerte er sich um die Genehmigung des Landratsamts. Das Landratsamt erteilte ihm die Genehmigung, einen neuen Führerschein zu machen, da im Zentralregister in Flensburg alle Strafpunke gelöscht waren und somit kein Eintrag mehr vorlag. Also meldete er sich bei einer Fahrschule in Lindscheid an, nahm am theoretischen Unterricht teil, absolvierte Fahrstunden, bestand schließlich die theoretische und die praktische Führerscheinprüfung und war damit Besitzer seines neuen Auto-Führerscheins.
Auch das war eine große Leistung und ein wichtiger Erfolg, denn in einem kleinen Dorf ist man ohne Führerschein aufgeschmissen. Seine Lebensgefährtin und er waren von Januar 1995 bis Oktober 2000, also fast sechs Jahre, dumm und arm dran gewesen, zumal da in dieser Zeit niemand im Haus einen Führerschein hatte.
 
Abschließend komme ich zum literarischen Schaffen Hans-Erich Kirschs, das seine unglaubliche Leistung krönt. Seit seiner Jugend schrieb Hans-Erich privat ein wenig für sich. Im Jahr 2000 wurde seine literarische Kreativität erst ganz freigesetzt und er fing an, damit an die Öffentlichkeit zu treten. Von 2000 bis 2008 veröffentlichte er noch nicht im Buchhandel. Man konnte seine damaligen Werke nur bei ihm daheim kaufen.
2008 nahm er an einer Anthologie im Frieling-Verlag teil. Das war seine erste Veröffentlichung im Buchhandel. Es folgte seine Teilnahme an sieben weiteren Anthologien im Frieling-Verlag.
2009 erschien sein erstes Einzelwerk im Edition Wort-Verlag. Bis 2017 veröffentlichte er sieben Bücher in drei Verlagen.
2010 ging er mit seiner Schriftsteller-Homepage, auf der wir uns hier ja befinden, ins Internet, um Werbung zu machen.
Außerdem veröffentlicht er selbst produzierte Videos bei YouTube.
Hier, auf seiner Schriftsteller-Homepage, kann man sich vollumfänglich über sein Schaffen informieren. Deshalb brauche ich nicht mehr näher darauf einzugehen.
Mit seinem öffentlichen Schaffen im Buchhandel und im Internet hat er seine unglaubliche Leistung greifbar und allen zugänglich manifestiert.
Aus einem Mann, der 1933 - 1945 mit der ihm von der Psychiatrie gestellten Diagnose einer endogenen Psychose zum lebensunwerten Leben gezählt und ermordet worden wäre und der auch heute immer noch von Vielen verachtet wird, ist ein Schriftsteller, ein Intellektueller, ein großer Geist geworden.
Hans-Erich Kirsch hat eine unglaubliche Leistung vollbracht.
 
Sonntag, den 21. Juli 2019
 
Karl Hauser
 
 
 

                                                         Hans-Erich Kirsch