Ich tue nichts, es geschieht alles ohne mein Zutun von selbst

 

Dorf im Bohnental, den 29.10.2019

 

Die Meisten verstehen die Überschrift nicht, aber es ist wirklich so: Ich tue nichts, es geschieht alles ohne mein Zutun von selbst. Mit dem, was geschieht, bin ich oft nicht einverstanden, weil es gegen meinen Willen und gegen meine Wünsche geschieht. Und darin besteht mein Leiden: Dass mein Eigenwille sich gegen den Willen des Ganzen auflehnt.

Jesus hatte es verstanden. Er sagte am Ölberg: "Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deinige." Damit hatte er Weisheit verkündet.

Den Willen des Ganzen durch mich geschehen zu lassen, ist zu meinem und aller Bestem. Zwar führt das immer wieder dazu, dass ich falsch oder gar nicht verstanden, also missverstanden werde, aber es ist am Besten, es ohne Widerstand geschehen zu lassen.

Diese Einsicht wurde mir heute geschenkt, gegeben vom Willen des Ganzen.

 

In der Bhagavad Gita, der Bibel der Inder, wird es so erklärt:

Die verwirrte Seele hält sich, unter dem Einfluss der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur, für den Ausführenden von Tätigkeiten, die in Wirklichkeit von der Natur verrichtet werden.

Kapitel 3, Vers 27

 

Ein Mensch im göttlichen Bewusstsein weiß im Innern stets, dass er in Wirklichkeit nicht handelt, obwohl er sieht, hört, berührt, riecht, isst, sich bewegt, schläft und atmet. Denn während er spricht, sich entleert, etwas zu sich nimmt, seine Augen öffnet oder schließt, weiß er immer, dass nur die materiellen Sinne mit ihren Objekten beschäftigt sind und dass er damit nichts zu tun hat.

Kapitel 5, Verse 8-9

 

Das verkörperte spirituelle Lebewesen, der Herr in der Stadt seines Körpers, verrichtet weder Tätigkeiten, noch veranlasst es andere zu handeln, noch erzeugt es die Früchte des Tuns. All dies wird von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur bewirkt.

Kapitel 5, Vers 14

Das heißt, dass das, was wir aus eigenem Willen zu tun glauben, in Wirklichkeit von der Natur getan wird. Der Natur, unserer Natur, zu vertrauen und die Natur in uns und durch uns wirken zu lassen, ist gut, da es ohnehin so geschieht, wie die Natur es bestimmt.

Ich bin der bewusste, wahrnehmende Zeuge von allem, was geschieht, im Hintergrund, in der Stille, im Frieden.

Ich bin.

In allen Situationen ruhig bleiben, alles geschehen lassen, ohne einzugreifen, bewusster, wahrnehmender Zeuge sein von allem, was geschieht, im Frieden sein hinter der Oberfläche des Geschehens...