Meine Frau ist asexuell (nicht-sexuell)

 

Dorf im Bohnental, den 27.10.2019

 
In den ersten 10 Jahren unserer Partnerschaft hatten meine Frau und ich oft Geschlechtsverkehr, danach kaum noch. Meine Frau und ich leben seit über 33 Jahren zusammen. Die letzten 20 Jahre hatten wir fast keinen Sex mehr miteinander. Diese letzten 20 Jahre unserer Partnerschaft hatte ich noch sexuelle Bedürfnisse, meine Frau nicht mehr. Das war für mich in diesen letzten 20 Jahren ein sexuelles Problem, das ich aber inzwischen gelöst habe, indem ich meine zwei gesunden Hände benutze. Außerdem wird dieses Problem für mich immer unbedeutender, da auch mein sexuelles Verlangen in den letzten 10 Jahren deutlich zurückgegangen ist.
 
 
Martha und Maria Magdalena
 
Im neuen Testament der Bibel wird die Geschichte von zwei Frauen erzählt, von Martha und Maria Magdalena.
Eines Tages kommt Jesus ins Haus von Martha und Maria Magdalena. Maria Magdalena salbt Jesus die Füße und vergießt Tränen der Liebe über Jesu Füße, während Martha fleißig im Haushalt arbeitet. Martha tadelt Maria, weil sie neidisch ist, da Jesus Maria Magdalena ihr vorzieht. Daraufhin weist Jesus Martha zurecht und sagt, dass Maria den besseren Teil gewählt hat.
Martha ist eine Schafferin, eine Welt-Ich-Frau. Maria ist eine Liebende, eine Frau, die in Liebe erblüht.
Aus weniger bekannten Quellen erfährt man, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen wäre und einen Sohn mit ihr gehabt hätte. Ich neige dazu, es zu glauben.
Martha ist keine schlechte, sondern eine gute Frau, aber sie scheint asexuell gewesen zu sein, indes Maria Magdalena für ihr offenes Herz bekannt war und deswegen fast gesteinigt worden wäre. Jesus schritt im letzten Moment ein und verhinderte die Steinigung, indem er sprach: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein."
Meine Frau ist eine Martha, eine gute, fleißige, saubere, reine, anständige, freundliche Frau. Ich glaube, dass auch meine Mutter eine Martha ist.
 
Die andere Seite meines Problems
 
Die Liebe einer Martha muss man sich verdienen. Wenn man mit Martha (Wilma) zusammen ist, muss man nicht nur lieben, sondern auch schaffen können. Ich arbeite zwar literarisch, könnte meiner Frau aber trotzdem auch im Haushalt helfen. Schließlich geht sie arbeiten, ich nicht. Damit gebe ich zu, dass mein Problem mit meiner Frau auch an mir selbst liegt. Vielleicht ist sie asexuell, weil ich nur lieben, aber nicht arbeiten will. Das ist etwas, das an mir selbst liegt und das ich selbst ändern kann. Andere Männer müssen auch arbeiten, um sich die Liebe ihrer Frau zu verdienen und zu erhalten. Die Meisten arbeiten dafür schwer. Ich wollte immer eine Welt voller Liebe, aber ohne Arbeit. Das mag im Jenseits möglich sein, hier auf Erden aber nicht. Ohne Arbeit läuft nichts. Ich habe die Liebe meiner Frau nicht verdient. Das will ich ändern.
 

Meine Frau ist eine gute, liebende Seele. Sie ist nicht vom Sex abhängig. Sie benötigt keinen Sex, hat es nicht nötig. Sie ist seelisch weiter entwickelt als ich. Das ist wichtiger und wertvoller als die Geilheit. Die Geilheit hat keinen Wert. Die Geilheit wixt man sich ab. Damit hat sie sich erledigt und man kann sich wieder auf das Wesentliche, auf das seelische Wesen konzentrieren.

Verliebte sind nur in den Körper des/der Geliebten verliebt. Liebende lieben das seelische Wesen des/der Geliebten. So sehe ich den Unterschied zwischen Verliebtsein und Liebe.
 
 
Meine alltägliche Extremsituation 16./17. Juli 2020
 
Ich muss meine eigene Frau jeden Tag, Tag für Tag, vollständig in Ruhe lassen, und zwar geistig und körperlich vollständig in Ruhe lassen. Ich könnte mit jedem Menschen sprechen. Der mir nächste Mensch, mit dem ich nicht sprechen darf, ist meine eigene Frau. Meine eigene Frau macht es mir unmöglich, mit ihr geistig und körperlich in Kontakt zu treten. Meine Frau ist ein 100prozentig normaler Mensch. Bei ihr hätte ich nur eine Chance, wenn ich auch ein 100prozentig normaler Mensch wäre. Ich bin aber kein 100prozentig normaler Mensch. Das ist meine alltägliche Extremsituation, in der ich mich nicht nur gegenüber meiner Frau, sondern gegenüber fast allen Menschen meiner Umgebung befinde. Denn die Menschen meiner Umgebung sind 100prozentig normale Menschen, die nur mit 100prozentig Normalen Kontakt haben wollen. Mit Andersmenschen, die nicht 100prozentig normal sind, wollen sie keinen Kontakt. So ist das auch bei meiner eigenen Frau.
 
Meine Frau will von meinem geistigen Leben nichts wissen. Auch für sie existiere ich als Schriftsteller nicht. Nachdem ich sie lange dazu überredete, las sie meine Bücher, ohne sie wirklich in ihrer Tiefe zu verstehen. Auch mit meinem sexuellen Begehren will sie nichts zu tun haben. Was sie über mich im Internet Positives ausgesagt hat, habe ich selbst frei erfunden und geschrieben.
 
Meine Frau war für mich täglich der größte Stressfaktor, weil ich bis vor Kurzem vergeblich gegen die Mauer anrannte, die sie um sich gebaut hat. Erst kürzlich sah ich ein, dass das Anrennen gegen ihre Mauer sinnlos ist und mich fast in den Wahnsinn trieb. 2006 wurde ich wegen dieses "Mauerproblems" in die Psychiatrie eingewiesen. Ich akzeptiere sie und ihre Mauer jetzt einfach als nicht zu ändernde tägliche Gegebenheit und erspare mir dadurch den Stress mit ihr und ihrer Mauer.
Eine geschlechtliche und eine geistige Liebe mit meiner Frau ist nicht möglich. Möglich ist nur eine seelische Liebe von Mensch zu Mensch, die sich nur entwickeln kann, wenn beide Partner den Anderen total mit allen seinen Eigenheiten akzeptieren. Dieses seelische Band zwischen meiner Frau und mir ist gegeben.
 
Meine Frau ist der einzige Mensch, dem es möglich ist, mit mir zusammen zu leben. Es gibt keinen zweiten Menschen, der dazu fähig wäre. Deshalb bin ich meiner Frau zu lebenslangem Dank verpflichtet.