Meine Sexualität ist zum Verrücktwerden

 

Dorf im Bohnental, den 17.10.2019

 
Wäre ich homosexuell pur, dann hätte ich kein sexuelles Problem. Wäre ich heterosexuell pur, dann hätte ich ebenfalls kein sexuelles Problem.
Doch meine Bisexualität, d.h. das Abwechseln von Homosexualität und Heterosexualität und umgekehrt, ist zum Verrücktwerden. Das kann man rational selbst nicht verstehen und das können auch Heterosexuelle und Homosexuelle weder rational noch emotional verstehen. Bisexualität kann einen wahnsinnig machen.
Es ist also doch nicht ganz so, wie Freud es erkannt zu haben glaubte. Wäre es so, dann wäre es einfach. So einfach ist es aber nicht, denn es ist nur der homosexuelle Anteil meiner Bisexualität, den ich versteckt hatte. Ich bin nicht homosexuell, sondern bisexuell. Das sind zwei Paar Schuhe.
Homosexuelle und Heterosexuelle können gar nicht verstehen, warum ich so viel Aufhebens um meine Sexualität mache. Sowohl für Heterosexuelle als auch für Homosexuelle ist ihre Sexualität etwas ganz Einfaches, worüber man keine Worte verliert. Nur Bisexuelle können mich verstehen.
Wenn man einen heterosexuellen Schub hat, ist man davon überzeugt, dass man zu 100 Prozent heterosexuell ist. Wenn man einen homosexuellen Schub hat, ist man davon überzeugt, dass man zu 100 Prozent homosexuell ist. Würde man im heterosexuellen Schub nach seiner sexuellen Veranlagung gefragt, würde man ohne Zweifel antworten, dass man heterosexuell ist. Im homosexuellen Schub würde man antworten, dass man homosexuell ist. Das meine ich mit meiner Überschrift: Meine Sexualität ist zum Verrücktwerden.
Diese Problematik besteht schon seit meiner Geburt, denn auch im Kind ist die sexuelle Veranlagung schon schlummernd vorhanden. In der Pubertät wurde das Problem akut. Mein ganzes Leben lang gab es keinen einzigen Menschen, der mich diesbezüglich verstand. Deshalb wurde ich von meiner Geburt bis zum heutigen Tag ignoriert, ausgegrenzt, isoliert, diskriminiert und gemobbt.
Mein Leben lang wurde ich wegen meiner bisexuellen Veranlagung für nicht normal, geisteskrank und doof gehalten. Nicht normal bin ich ja auch wirklich, denn bisexuell zu sein ist nun mal wirklich nicht die Norm. Ich bin aber nicht geisteskrank und nicht doof. Diesen Fehler, mich für geisteskrank und doof zu halten, begingen nicht nur die mich umgebenden Menschen, sondern auch die psychiatrischen Ärzte.
Natürlich und selbstverständlich litt ich und leide auch heute noch darunter, wie böse man auf meine Bisexualität, mein Nicht-Normalsein reagiert. Dieses Leiden ist normal und natürlich. Darunter würde jeder Mensch leiden. Es ist aber im erklärten Sinn keine Krankheit, sondern ein begründetes Leiden.
Was ich beschrieben habe, spielte sich logischerweise auch an meinen Arbeitsstätten ab. Auch meine Arbeitskollegen machten mich überall, wo ich arbeitete, deswegen zum Deppen. Das wäre auch heute nicht anders. Und das ist der Grund dafür, dass ich schon sehr früh nicht mehr arbeiten gehen konnte. Die Arbeitskollegen diskriminierten und mobbten mich wegen meiner Bisexualität.
Mehr oder weniger ist es immer und überall das Gleiche.
Nur meine Oma mütterlicherseits liebte mich trotzdem. Und auch meine Frau liebt mich trotzdem. Liebe ist, wenn man trotzdem liebt. Nur bedingungslose Liebe heilt die Leiden der Seele wirklich.
Worüber ich in dieser Rubrik schreibe, kann kein Arzt, kein Psychiater und nicht einmal ein Sigmund Freud wissen. Wie sollte er es auch wissen können? Nur ich selbst weiß es und nur ich selbst kann es erklären, indem ich darüber schreibe.
Meine Bisexualität liegt in mir selbst. Dafür können die Leute nichts. Dafür sind sie nicht verantwortlich. Die Leute können aber etwas dafür, wie sie auf meine Bisexualität reagieren. Dafür sind die Leute verantwortlich, nicht ich.
 
Fortsetzung folgt...