Schamlos enthemmt im Suff   10.02.2020

 
 
Einerseits wurde ich in den Kneipen behandelt wie ein Stück Dreck oder wie ein Verbrecher, ohne einen Grund und ohne einen Anlass dafür gegeben zu haben. Was man mir antat, war kriminell. Das waren Straftaten, die man an mir verübte. Ich habe in der vorhergehenden Rubrik "Schaffwahn" darüber geschrieben.
 
Andererseits muss ich aber auch zugeben, dass ich im Suff oft schamlos enthemmt war und mich dann asozial, ordinär, grob und roh verhielt. Ich gebärdete mich dann, als wäre ich ein geistig behinderter, geistesschwacher Asozialer. Ich machte mich selbst zum Idioten.
Die Kombination Alkohol-Psychopharmaka-innere Verzweiflung wirkte sich verheerend für mich aus. Ich redete pornographisch ordinär und pervers gegenüber Frauen, und es kam auch hin und wieder vor, dass ich meine Greifhand nicht bei mir behalten konnte. Jedoch wendete ich niemals sexuelle Gewalt an.
Ich gebe ehrlich zu, dass ich im Suff oft redete wie ein Schwein und mich dementsprechend wie ein Schwein verhielt. Dem muss ich hinzufügen, dass ich in diesen Situationen nicht mehr voll verantwortlich für mein schweinisches Geschwätz und mein schamloses Verhalten war.
Die Hauptsache ist, dass ich seit sechs Jahren keinen Alkohol mehr trinke und daher auch schon sechs Jahre nicht mehr schamlos enthemmt bin. Im nüchternen Zustand war und bin ich immer im Rahmen geblieben.
Doch hat mir mein über Jahrzehnte gehendes, schamlos enthemmtes Geschwätz und Verhalten im Suff lebenslänglich schweren Schaden an meinem Ruf zugefügt.
Mein schamlos enthemmtes Verhalten im Suff war mein eigenes Fehlverhalten, das mir leid tut. Mehr kann ich nicht tun, als mich dafür zu entschuldigen. Denn was geschehen ist, kann man nicht mehr rückgängig machen. Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern. Man kann nur aus ihr lernen. Ich habe daraus gelernt, indem ich seit sechs Jahren auf Alkohol verzichte.
 
Ein Heiliger bin ich nicht, aber ich bin auch kein Verbrecher.